Bewertungsdaten zeigen deutliche Fortschritte der Lieferanten bei Klimaschutz und Menschenrechten, doch Kompetenzlücken verhindern, dass diese Fortschritte tiefer in die Lieferkette hineinwirken
PARIS & NEW YORK – 30. Juni 2026 – Unternehmen in Tier-1-Lieferketten machen zwar Fortschritte bei Klimazielen und Menschenrechten innerhalb ihrer eigenen Betriebsabläufe, doch in ihrer Wertschöpfungskette kommen diese Fortschritte zum Erliegen.
Vier von fünf (80 %) der von EcoVadis bewerteten Unternehmen verfügen über keinen dokumentierten Prozess zur Identifizierung oder zum Management von Nachhaltigkeitsrisiken innerhalb ihrer eigenen Lieferketten. 73 % verfügen über keine Berichterstattung zu vorgelagerten Scope-3-Emissionen und 77 % haben keine Nachverfolgung der nachgelagerten Emissionen. Nur 2 % verfügen über einen externen Beschwerdemechanismus, den Arbeitnehmer in tieferen Ebenen der Lieferkette tatsächlich nutzen können, um Menschenrechtsverletzungen zu melden. Zudem besteht ein Transparenzengpass: Weniger als 1 % melden detaillierte, entscheidungsrelevante Nachhaltigkeitsdaten an die Einkaufsorganisationen.
Diese Zahlen stammen aus der 10. Ausgabe des EcoVadis Sustainability Ratings Index, der auf fast 200.000 Scorecards von mehr als 100.000 Unternehmen basiert, die zwischen 2021 und 2025 weltweit bewertet wurden. Die Daten erfassen die Leistung dieser Unternehmen – in der Regel Tier-1-Zulieferer im Netzwerk von über 1.400 führenden multinationalen Konzernen und Einkaufsorganisationen, die die EcoVadis Plattform nutzen. Die Daten zeigen, dass die bewerteten Unternehmen zwar in Nachhaltigkeit investieren, diese jedoch noch nicht über ihre gesamte Lieferkette hinweg nachverfolgen.
In der Tat erzielen Unternehmen innerhalb ihrer eigenen Betriebsabläufe echte Fortschritte im Bereich Nachhaltigkeit. Der Klimaschutz ist ein Schwerpunktbereich: 46 % der bewerteten Lieferanten beziehen oder erzeugen erneuerbare Energie, und 38 % führen Klimaschulungen für ihre Mitarbeitenden durch. Allerdings haben 78 % der bewerteten Unternehmen keine wissenschaftlich fundierten Ziele zur CO₂-Reduzierung.
Beim Thema Umwelt war der größte Zuwachs aller bewerteten Themen zu verzeichnen: Die Werte stiegen über vier Jahre hinweg um durchschnittlich 9,6 Punkte. Der Anteil der Unternehmen, die den Status „Advanced+“ erreichten (65 oder mehr Punkte auf der EcoVadis Bewertungsskala von 0 bis 100), hat sich von 17 % im Jahr 2021 auf 38 % im Jahr 2025 mehr als verdoppelt. Die beste Leistung erzielen die bewerteten Unternehmen beim Thema „Arbeits- und Menschenrechte“, mit einer weltweiten Durchschnittsbewertung von 59,5. Achtzig Prozent verfügen über formelle DEI-Richtlinien, und 78 % haben Richtlinien zur Gesundheit und Sicherheit der Mitarbeitenden eingeführt.
Bei den Beschaffungspraktiken sieht es anders aus: Die Überprüfung der Lieferantenleistung konzentriert sich nach wie vor auf Formalitäten. 42 % der Unternehmen stützen sich weiterhin auf nicht verifizierte Lieferantenfragebögen, und nur 46 % verlangen von ihren Lieferanten die Unterzeichnung eines Nachhaltigkeits-Verhaltenskodex. Lediglich 20 % führen Audits vor Ort durch, eine Zahl, die sich in vier Jahren kaum verändert hat.
Unternehmen, die versuchen, KI-Tools einzusetzen, stehen vor einer ähnlichen Hürde hinsichtlich der Datenbereitschaft. Laut dem begleitenden Bericht EcoVadis Barometer 2026 haben 68 % der Einkäufer*innen in Unternehmen KI-Tools in ihren Programmen zur nachhaltigen Beschaffung eingesetzt, wobei 62 % dieser Einkäufer und Einkäuferinnen die Validierung von CO₂-Daten als wichtigste Anwendung nannten. Die Lieferantenbasis ist jedoch weitgehend nicht dafür gerüstet, diese Systeme zu unterstützen: 30 % der Lieferanten liefern keine CO₂-Daten und 26 % liefern nur aggregierte Schätzwerte.
„Unternehmen haben ausgefeilte Tools zur Analyse der Nachhaltigkeitsdaten ihrer Lieferanten entwickelt. Die Lieferanten verfügen entweder nicht über diese Daten oder können sie nicht in einer Form melden, die von den Tools verarbeitet werden kann“, sagte Sylvain Guyoton, Chief Ratings Officer bei EcoVadis. „Bessere Software schließt diese Lücke nicht. Das Messproblem liegt in der Lieferantenbasis selbst, und um es zu beheben, ist ein nachhaltiges Engagement über einen längeren Zeitraum erforderlich: strukturierte Bewertung der Leistung und dokumentierte Nachverfolgung.“
Ein Großteil dieser Kompetenzlücke bei den Lieferanten lässt sich jedoch durch gezielte Zusammenarbeit und einen Maßnahmenplan zur Verbesserung schließen. Über alle Unternehmensgrößen und Branchen hinweg erzielen Unternehmen mit mehreren EcoVadis Bewertungen im Durchschnitt 12 Punkte mehr als solche, die zum ersten Mal bewertet wurden, 63,2 gegenüber 51,5. Das bedeutet, dass immer mehr Lieferanten ihre Nachhaltigkeitspraktiken verbessern und entscheidungsrelevante Daten an die nachgelagerten Ebenen weitergeben.
„Unternehmen, die bereit sind, die Lieferantenbindung als fortlaufenden Prozess und nicht als einmalige Compliance-Maßnahme zu betrachten, schließen die Lücke zwischen dem, was sie beabsichtigen, und dem, was sie tatsächlich nachweisen können“, fügte Guyoton hinzu.
Über den EcoVadis Sustainability Ratings Index
Die zehnte Ausgabe des EcoVadis Sustainability Rating Index umfasst anonymisierte Bewertungsdaten von Unternehmen, die in den Kalenderjahren 2021–2025 auf der EcoVadis Plattform bewertet wurden. Alle Bewertungen erfolgen auf der EcoVadis Skala von 0 bis 100 und bewerten Managementsysteme anhand von sieben Schlüsselindikatoren in den Themen Umwelt, Arbeits- & Menschenrechte, Ethik sowie nachhaltige Beschaffung.
Weitere Informationen sowie den vollständigen Bericht zum Herunterladen finden Sie unter ecovadis.com/insights/index-2026
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ÜBER ECOVADIS
EcoVadis ist ein zweckorientiertes Unternehmen, das Nachhaltigkeitsdaten in Entscheidungen entlang globaler Lieferketten einbindet. Die Lösungen in den Bereichen Bewertungen, Risikomanagement, CO₂-Management, E-Learning und Worker-Voice-Befragungen versetzen Unternehmen in die Lage, die Leistung ihrer Lieferanten zu verstehen, regulatorische und operative Risiken zu steuern, die Reduzierung von Treibhausgasemissionen voranzutreiben und widerstandsfähigere Wertschöpfungsketten aufzubauen. Im Jahr 2024 übernahm EcoVadis Ulula, eine spezialisierte Worker-Voice-Plattform, und erweiterte damit seine Kompetenzen im Bereich der Sorgfaltspflicht bei Menschenrechten und der direkten Einbindung von Mitarbeitenden. Mehr als 175.000 Unternehmen aus 250 Branchen und 185 Ländern nutzen EcoVadis, darunter Johnson & Johnson, L’Oréal, Unilever, Bridgestone, BASF und JPMorgan. Weitere Informationen finden Sie auf: ecovadis.com oder LinkedIn.
Pressekontakt:
EcoVadis PR Office D-A-CH
Pia Pinkawa
E-Mail: presse_DACH@ecovadis.com
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