Wie Unternehmen THG-Herausforderungen angehen können und warum ein universeller Benchmark-Standard so wichtig ist

December 17, 2020 DE EcoVadis DE

Es liegt auf der Hand, dass in der gegenwärtigen politischen und unternehmerischen Lage im Kontext des Klimawandels die Zahl der Berichterstattungen über Treibhausgase und die Zahl der Umweltgesetze exponentiell gestiegen sind.  Inzwischen gibt es weltweit über 1.200 Gesetze zum Klimawandel oder zu relevanten Themen, was einer Verzwanzigfachung innerhalb der letzten 23 Jahren entspricht. Einer der herausragenden Trends, der sich in den letzten zwei Jahrzehnten entwickelt hat, ist die Berichterstattung über Treibhausgasemissionen, wobei mindestens 40 Länder - sowohl der globale Nodern als auch der globale Süden - derzeit obligatorische Programme zur Emissionsberichterstattung haben.  Durch die zunehmenden Relevanz, die der Transparenz und Offenlegung der Klimaauswirkungen beigemessen wird, gewinnt das Kohlenstoff-Benchmarking für das Verständnis der Scope 1, 2 und 3-Emissionen eines Unternehmens eine entscheidende Bedeutung. 

Ein Kohlenstoff-Benchmarking ist ein Leistungsstandard, der die Auswirkung einer Einheit einer bestimmten Aktivität auf die Kohlenstoffemissionen darstellt. Diese Aktivitäten können als Outputs wie Produkte/Dienstleistungen oder Inputs wie verbrauchte Brennstoffe charakterisiert werden.
Es ist offensichtlich, dass mit der zunehmenden Verbreitung von Programmen zur Berichterstattung der Treibhausgasemissionen Unternehmenseinheiten beginnen werden, in ihrer Praxis ein Kohlenstoff-Benchmarking einzuführen. Eine der größten Hürden für Unternehmen, die diesen Übergang zum Benchmarking vollziehen, ist jedoch ein fehlender universeller Kohlenstoff-Benchmarking-Standard. Ohne einen universellen Standard werden Unternehmen, die sich über Branchen, Sektoren und geographische Regionen hinweg vergleichen, “Äpfel mit Birnen” statt "Äpfel mit Äpfeln" vergleichen. Bis zur Einführung eines universellen Instruments wird es für die Unternehmen bei diesem Übergang notwendig sein, Umgehungslösungen für dieses Problem zu finden. Bislang hat jedoch noch keine aktuelle Methode zur Bewertung von Kohlenstoffemissionen eine solche Initiative entwickelt.

Um mehr über Scope-3-Emissionen zu erfahren, lesen Sie unser aktuelles Whitepaper Corporate Action on Greenhouse Gas Emissions.

Erhebliche Auswirkungen der Kohlenstoffbilanz-Methoden 

Kohlenstoffemissionsbilanzmethoden wie das CDP und die Initiative "Science Based Targets" haben gezeigt, dass im privaten Sektor ein gesteigertes Bewusstsein für die Offenlegung von Kohlenstoffemissionen und Umweltmaßnahmen vorhanden ist. Allein für CDP betrug die Gesamtzahl der Lieferanten, die sich dem CDP gegenüber offengelegt haben, im Jahr 2008 noch weniger als 1000 und stieg in nur zehn Jahren auf 5.455 Lieferanten. 

Darüber hinaus werden auf die Pariser Vereinbarung ausgerichtete Unternehmensziele de facto zum Standard, und es haben sich bisher über 800 Unternehmen verpflichtet, sich auf wissenschaftlich fundierte Ziele festzulegen. Diese Initiativen, gekoppelt mit Standards wie dem Greenhouse Gas Protocol (GHG-Protocol) und ISO 14064, haben eine verstärkte Offenlegungspflicht ermöglicht. Es ist jedoch nach wie vor notwendig,  Instrumente wirksam zu implementieren, die einen einfachen Vergleich von Kohlenstoffbilanzen von Unternehmen mit unterschiedlichem Hintergrund (z.B. Größe, Sektoren, Märkte, Produkte usw.) ermöglichen. Dies sind Fragen, die der Kohlenstoff-Benchmarking-Ansatz zu lösen hofft.

Ein Benchmarking-Ansatz: Was ist es und wie wird es angewendet?

Was genau ist also der Kohlenstoff-Benchmarking-Ansatz, und wie sollen Unternehmen diesen Ansatz in ihre Praktiken und ihre Lieferkette integrieren?

Wie die Weltbank darlegt, verfolgt das Kohlenstoff-Benchmarking einen fünfstufigen Ansatz:

Erster Schritt: Die Planung umfasst die ersten Überlegungen, die für die Entwicklung von Benchmarks notwendig sind. Dazu gehört die Planung des Umfangs der Benchmarking-Übungen und der kritischen Parameter, die den Standard charakterisieren werden. 
Zweiter Schritt: Datenerhebung zur Information der Benchmarks. In diesem Schritt können Unternehmen Datenanforderungen spezifizieren, einen Datenerhebungsansatz wählen und Datenerhebungsansätze durch Engagement umsetzen. 
Dritter Schritt: Die Datenanalyse befasst sich mit Prozessen und analytischen Ansätzen zur Verwendung der Daten um Werte für Benchmarks festzulegen. Im Anschluss daran können Ex-ante-Bewertungen der Maßnahme durchgeführt werden. 
Vierter Schritt: Integration von Benchmarks und die Verwendung von Benchmarks zur Bestimmung von Systemzielen und Schwellenwerten. 
Fünfter Schritt: Die Überwachung und Verbesserung beinhaltet die Überprüfung und Aktualisierung von Benchmarks, um die kontinuierliche Relevanz und Strenge der Benchmarks zu gewährleisten.

Neue Kohlenstoff-Ansätze bringen neue Herausforderungen

Die oben erwähnten Ansätze kommen nicht ohne ihre eigenen Herausforderungen und Beanstandungen. Der Aufbau einer Kohlenstoff-Benchmarking-Analyse ist mit verschiedenen Einschränkungen verbunden, die ein universelles Benchmarking-System praktisch unmöglich machen können.

Eine der größten Herausforderungen beim Kohlenstoff-Benchmarking ist die Datenerhebung von Scope-3-Emissionen, d.h. Emissionen, die aus Aktivitäten in der gesamten Wertschöpfungskette resultieren. Ein zentrales Problem ist der Mangel an Personalressourcen und Know-how in den Unternehmen, um solch komplexe Daten zu berechnen. Standards wie das GHG-Protocol können bei der Berechnung Anleitung, Unterstützung und Orientierung bieten, aber viele praktische Fragen unbeantwortet lassen. Ein weiteres Problem ist die fehlende Transparenz in Unternehmen, die Scope-3-Daten berechnen, was im Vergleich zu Scope 1 und 2 andere Managementansätze erfordert. Die Erhebung von Scope-3-Daten erfordert die Interaktion mit verschiedenen Abteilungen und externen Lieferanten, um Aktivitätsdaten zu sammeln und geeignete Emissionsfaktoren zu finden. Das Management der Scope-3-Emissionen ist daher gleichermaßen komplex, da die Emissionen im Allgemeinen aus einer Vielzahl von Quellen stammen und in Zusammenarbeit mit externen Akteuren entlang der Lieferkette angegangen werden müssen. Das letzte Problem bei der Berechnung von Scope 3 ist die mangelnde Fähigkeit, die Zusammenarbeit entlang der Wertschöpfungskette zu beeinflussen und zu veranlassen. Ein erfolgreiches Management von Scope 3 erfordert ein gewisses Maß an Zusammenarbeit zwischen Dritten, wie zum Beispiel Lieferanten. Wenn ein Unternehmen nicht über genügend Marktmacht verfügt, um sie bei der Berechnung von THG-Emissionen herauszufordern, wäre eine Datenerhebung nicht mehr möglich.

Um mehr über Scope-3-Emissionen zu erfahren, lesen Sie unser aktuelles Whitepaper Corporate Action on Greenhouse Gas Emissions.

Diese Scope-3-Berechnungsfragen werden nur noch verschärft, wenn es um kleine und mittelständige Unternehmen geht. Eine im Jahr 2018 durchgeführte Analyse von 73 Mitgliedern des Global Compact Netzwerk Deutschland durch die sustainable AG ergab, dass es in Unternehmen mit weniger als 1.000 Mitarbeitern kaum eine Ermittlung von Scope 3-Emissionen gibt und nur etwa die Hälfte der nicht börsennotierten deutschen Unternehmen eine Ermittlung und Berichterstattung von Scope 3-Emissionen betreibt. Diesen Unternehmen mangelt es häufig an der Kapazität, Personal für die Verwaltung des THG-Inventars bereitzustellen, sie haben weniger Möglichkeiten, sich mit ihren eigenen Lieferanten zu engagieren, und da sie selbst Lieferanten sind, haben sie wenig Anreiz, ihre THG-Emissionen aktiv zu überwachen.

Abgesehen von den Scope-3-Berechnungen sind weitere Fragen beim Benchmarking die Verwendung unterschiedlicher Grenzen für die Berichterstattung über vorgelagerte Emissionsintensitäten und unterschiedliche Maßeinheiten. Unterschiedliche Systemgrenzen machen es unmöglich zu beurteilen, welche Aktivitäten in die Emissionsberichterstattung einbezogen werden. Während die Differenzierung der Maßeinheiten das Benchmarking unvergleichbar macht.

Diese Einschränkungen stellen ein Hindernis für die Erstellung  eines universellen Kohlenstoff-Benchmarking-Standards dar. Es gibt jedoch verschiedene Möglichkeiten, diesen Herausforderungen auszuweichen und um den  Vergleich der Kohlenstoffbilanz zu umgehen.

3 Schritte zur Bewältigung der Herausforderungen beim Kohlenstoff-Benchmarking

Um die Herausforderungen des Benchmarking anzugehen und eine Lösung zum Vergleich der Kohlenstoffintensitäten verschiedener Unternehmen zu schaffen, müssen einige Schritte in Betracht gezogen werden:

  1. Verbesserung der Verfügbarkeit und Qualität von Primärdaten: Diese Option umfasst die Kopplung von Datenanfragen an Partner in der Lieferkette (über Programme wie EcoVadis). 
  2. Fokussierung auf Lieferkette und Emissions-Hotspots: Anstatt die Datenqualität in der gesamten Lieferkette zu verbessern, ist eine Fokussierung auf bedeutende Hotspots möglicherweise viel überschaubarer.
  3. Erstellen einer Opportunity-Datenbank: Die Einrichtung einer Datenbank durch einen Dritten, in der die Kohlenstoffemissionsintensitäten dargestellt werden, kann als Orientierungspunkt für den Vergleich von Unternehmen dienen. Abgesehen davon, dass die Datenbank als Quelle von Emissionsdaten fungiert, könnte sie globale Lieferketten-Hotspots und Best-Practice-Ansätze hervorheben.

Ein neues Kohlenstoff-Aktionsinstrument am Horizont

Mit diesen Kriterien im Hinterkopf arbeitet EcoVadis an einem Carbon Action Module, das einen einfachen Vergleich der Kohlenstoffemissionen aller Unternehmen ermöglicht und gleichzeitig den Einkäufern erlaubt, ihre Lieferkette zu verstehen und mit ihren Lieferanten zusammenzuarbeiten, um die Kohlenstoffemissionen weiter zu reduzieren. 
 
Eines der Ziele der Kohlenstoffbewertung ist es, die Fähigkeit eines Unternehmens zu bewerten, die THG-Emissionen innerhalb seiner Organisation zu handhaben. Die Kohlenstoffbewertung ist kein direkter Vergleich des Intensitätsniveaus der THG-Emissionen der Unternehmen, sondern misst stattdessen den Reifegrad eines Unternehmens bei der Erreichung der Emissionsreduktionsziele. Eine hohe Reifegradbewertung deutet darauf hin, dass die Zulieferer bewährte Praktiken anwenden, wie z.B. die Festlegung eines soliden und ehrgeizigen THG-Reduktionsziels, die Anwendung eines ausgeklügelten THG-Überwachungssystems zur Verfolgung ihrer Leistung und die Durchführung regelmäßiger Kontrollen, um ihre Leistung zu überprüfen und notwendige Verbesserungen vorzuschlagen. Die erste Produkt-Roadmap umfasst:

  • Carbon Ratings and Scorecards, die die Lieferanten auf der Grundlage ihrer Kohlenstoff- und THG-Emissionsleistung bewerten und dabei helfen, die Lieferanten zu priorisieren, die das Potenzial haben die größte Wirkung auf die  Reduzierung der Kohlenstoff- und THG-Emissionen zu erzielen.  Ein Vorläufer der Carbon Scorecard, das sogenannte "Carbon Maturity Assessment KPI Bundle", wird bereits von EcoVadis' Pionierkunden eingesetzt. Basierend auf den Daten in den bestehenden EcoVadis-Scorecards ermöglicht dieses KPI-Bündel den Käufern, den Ausgangswert der  THG- und Kohlenstoffmanagementsysteme zu ermitteln, und bietet eine Anleitung zur Leistungsverbesserung. 
  • Ein Kohlenstoff-Rechner, der es den bewerteten Organisationen ermöglicht, sowohl ihren indirekten als auch ihren vorgelagerten Kohlenstoff- und Treibhausgas-Fußabdruck zu messen. 
  • Verbesserte CSR-Metriken, die die Datenerfassungsinstrumente erweitern, damit die erforderliche Tiefe und Breite für das Carbon Action Module erfasst werden kann. 

Dieser Artikel ist im Original von Matteo Berger, Sustainability Analyst, und Timothy Chan, Sustainability Analyst. 

Über den Autor

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EcoVadis ist der weltweit zuverlässigste Anbieter von Nachhaltigkeitsratings und intelligenten, kollaborativen Tools zur Leistungssteigerung für globale Lieferketten. EcoVadis‘ einfach zu handhabende und umsetzbare Nachhaltigkeits-Scorecards, die von einer leistungsstarken Technologieplattform und einem globalen Team von CSR-Experten unterstützt werden, bieten detaillierte Einblicke in ökologische, soziale und ethische Risiken in 200 Einkaufskategorien und 160 Ländern. Branchenführer wie Johnson & Johnson, Verizon, L’Oréal, Subway, Nestlé, Salesforce, Michelin und BASF gehören zu den mehr als 65.000 Unternehmen im EcoVadis-Netzwerk, die alle mit einer einzigen Methodik arbeiten, um Nachhaltigkeitsleistungen zu bewerten, die Zusammenarbeit und den Schutz ihrer Marken zu verbessern und Innovation zu fördern.

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