5 wichtige Faktoren bei der Auswahl einer Lösung zur CSR-Kontrolle von Lieferanten

March 31, 2017 EcoVadis ‏‏‎

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Es ist kein Geheimnis, dass moderne Beschaffungsketten zunehmend Risiken ausgesetzt sind, die zu erhöhten Betriebskosten, bedeutenden Verlusten und langfristigen Schäden an der Unternehmensreputation führen können. Vorhersehbare Risiken verursachen noch immer Tag für Tag erhebliche Verluste. Vielen Unternehmen gehen jährlich Millionen und in einigen Fällen der Fortune-2000-Unternehmen sogar Milliarden US-Dollar verloren, weil das Risikomanagement und die Kontrolle von Beschaffungsketten Mängel aufweisen.

Unternehmen nennen einen wesentlichen Grund für diesen vergeblichen Aufwand: in den meisten Organisationen ist das Risikomanagement zersplittert – dies betrifft insbesondere Risiken, die mit den Leistungen und Praktiken von Lieferanten im Bereich der Corporate Social Responsibility (CSR) einhergehen. Unterschiedliche Abteilungen kümmern sich oft unabhängig voneinander um die Beurteilung und Minderung von Risiken und betrachten diese aus unterschiedlichen Perspektiven. Dies kann dazu führen, dass Lieferanten entweder überfordert, übersehen oder unterbewertet werden; die Fehlalarmrate (entweder false-positives oder false-negatives) ist hoch; korrelierte Risiken werden übersehen und ein entsprechender Arbeitsaufwand wird doppelt ausgeführt.

Viele Beschaffungsteams sind der Meinung, dass ein ganzheitlicher Ansatz viele Vorteile mit sich bringt. Mit einer gemeinsamen Initiative für Nachhaltigkeit und Compliance auf Grundlage eines zentralen CSR-Programms, das alle Lieferanten proaktiv bewertet und darüber hinaus eine laufende Kontrolle bereitstellt. Es folgt eine Übersicht über die wichtigsten Aspekte, auf die bei der Auswahl einer entsprechenden Lösung geachtet werden sollte:

 

Was ist der gewerbliche Umfang der Lösung?

Ganz gleich welcher Branche Ihr Unternehmen angehört, Sie beziehen Produkte und Dienstleistungen aus Dutzenden oder sogar Hunderten von Einkaufskategorien, besonders wenn Sie auch indirekte Ausgaben berücksichtigen in denen viele verdeckte Risiken liegen. Ihre Organisation könnte nur sehr wenig über viele dieser Industrien wissen, besonders wenn es um Risiken und CSR geht. Zum Beispiel, Unternehmen der CPG-Branche, Pharmaunternehmen oder High-Tech-Firmen alle verwenden Bürobedarf, erfordern MRO um Gebäude und Maschinen zu erhalten, arbeiten mit Software auf High-End-Computern, benötigen vorübergehende Dienstleistungen, brauchen die Unterstützung von Marketing- und Werbeagenturen, benötigen rechtliche Unterstützung, und so weiter.

Die Art und der Schweregrad des CSR-bezogenen Risikopotenzials können je nach Kategorie oder Branche stark variieren (zum Beispiel Arbeitsrisiken in der Fertigung, Umweltrisiken in Chemikalien, ethische Risiken in der Foerderindustrie, usw.). Jede Branche hat ihre eigenen Regelungen (Gesetzgebungen bezüglich Umwelt, Anti-Korruption und Arbeitnehmerrechten, etc.), welche je nach geographischer Lage variieren können. Eine Best-in-Class-Lieferantenüberwachungslösung sollte, hinsichtlich der Weise wie sie die Leistung der Lieferanten bewertet, an diese Vielfalt angepasst werden.

Um diesen Umfang von Industrie-, Länder- und Regulierungsvielfalt abzudecken, müssen auch Nachrichten- und Regierungsquellen, NGOs, Branchenverbände, Nutzergruppen, Drittforen, usw. überwacht werden. Dies erfordert ein Lösungskonzept mit der Fähigkeit und dem Ausmaß zur Überwachung und zur Analyse alle dieser verschiedenen Datenquellen

 

Welcher Abdeckungsgrad wird bei der Lieferantenbewertung erreicht?

Ein CSR-Bewertungsprozess sollte alle wichtigen Schwerpunkte zu Nachhaltigkeit und CSR angehen: Umweltverantwortung, Ethik, soziale Verantwortlichkeit und Arbeitnehmerrechte usw.

 

In der folgenden Tabelle finden Sie einige Beispiele von Kriterien, die im Rahmen einer CSR-Bewertung berücksichtigt werden können:

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Um einen derart umfassenden Abdeckungsgrad zu erreichen, muss die Lösung ein breites Spektrum an Quellen überwachen und sich zugleich nach international geltenden Standards richten.

 

Brauchbare, benchmarkfähige Messwerte und Einblicke

Eine Lieferantenbewertung allein reicht nicht aus: Das Beschaffungsteam muss die Ergebnisse verwerten und umsetzen können.  Ein von einem Drittanbieter angefertigter ausführlicher Bericht über einen Lieferanten bietet nicht immer das Format, das dann auch vom Purchasing oder Category Manager umgesetzt werden kann.  Wie sieht die CSR-Leistung eines Lieferanten im Vergleich zu anderen Anbietern aus?  Wo liegt der Standard in der Branche oder geografischen Region des Lieferanten? Verbessert er seine Nachhaltigkeit im Laufe der Zeit?

 

Lösungen zur Messung der Nachhaltigkeitsleistung helfen Beschaffungsteams dabei, jeden einzelnen Lieferanten anhand üblicher Standards schnell zu bewerten und zu bestimmen, wie er insgesamt und im Vergleich zu anderen Lieferanten abschneidet.  5 von 10 Punkten mag eine schlechte Gesamtwertung sein – wenn jedoch die meisten Lieferanten in der gleichen Branche und Region nur 3 Punkte aufweisen, so ist der Lieferant ein vielversprechender Kandidat in Sachen Nachhaltigkeitsverbesserung.

 

Das System sollte der beschaffenden Organisation außerdem die Möglichkeit bieten, jene Lieferanten schnell herauszufiltern, die festgelegte Schwellenwerte nicht erreichen.  Quantifizierbare Messungen, beispielsweise Bewertungen, erlauben dem Käufer darüber hinaus die Bestimmung von Zielen und Schwellenwerten, die dem Lieferanten als Motivation zur selbstständigen Leistungsverbesserung dienen können: Sobald die Bewertungen unter die festgelegten Schwellenwerte fallen, könnten sie einen Plan für Korrekturmaßnahmen einleiten. Liegen die Werte des Lieferanten über der angestrebten Benchmark, können Anerkennungen (zum Beispiel Auszeichnungen) verliehen werden – in weiter entwickelten Konzepten kann eine Zulassung zu Programmen für Vorzugslieferanten ausgegeben werden.

 

Messwerte zur Nachhaltigkeitsleistung helfen auch bei der Erstellung von Risikolandkarten. Dies kann dazu beitragen, das relative Lieferantenrisiko im Vergleich zum durchschnittlichen Risiko einer Region oder Beschaffungskategorie zu ermitteln.

 

Wie groß ist der Umfang der Integration und wie einfach ist die Lösung zu integrieren?

Damit Ihr Beschaffungsteam Informationen zu Ethik, Corporate Social Responsibility und Nachhaltigkeit nutzen kann, sollte ein wesentliches Instrument in die Supply-Management-Plattformen (z. B. e-Sourcing, e-Procurement, CLM, SRM) integriert werden. Dies vereinfacht und automatisiert die Verwendung von CSR-Kriterien in den Beschaffung-Workflows und Prozessen.

 

Deshalb muss die Lösung über eine API verfügen (und die CSR-Daten und -Indikatoren müssen verwertbar sein), um die von Ihnen verwendete Plattform zu integrieren.  Wenn das gesamte Team Zugriff auf aktuelle und umfassende Nachhaltigkeitskennzahlen hat, dann weiß jeder:

  • ob ein Lieferant bewertet wurde und, wenn ja, wie die entsprechende Risikobewertung aussieht
    und ob der Lieferant überhaupt in Betracht gezogen werden sollte (oder nicht)
  • ob ein Lieferant mit einem Risikoindikator oder einer Warnung versehen ist
    und welche Untersuchungen durchgeführt werden müssen, um das Risiko zu beurteilen
  • den Anteil der Ausgaben für Lieferanten, die über eine gewünschte Nachhaltigkeitsbewertung verfügen
    und wie die Ausgaben für einen bestimmten Lieferanten diese Bewertung beeinflussen würden

 

Um den Arbeitsaufwand für Unternehmen zu reduzieren, verfügt die Plattform idealerweise bereits über integrierte, sofort einsatzfähige ERPs und Anwendungen, die üblicherweise zu Zwecken des Risikomanagements eingesetzt werden.  

 

Service: Welche Unterstützung bietet die Lösung für das Veränderungsmanagement

Es reicht nicht aus, eine erstklassige Bewertungs- und Monitoring-Plattform einzusetzen, um die Organisation zu verändern und das Supply-Chain-Risikomanagement anzugehen. Möglicherweise sind große Veränderungen Ihres Verständnisses und Ihres Umgangs mit dem Risikomanagement nötig.  

 

Ein neuer Prozess muss eingeführt werden, der vergebliche/unstrukturierte Vorgehensweisen ersetzt. Und es muss eine Plattform gewählt werden, die diesen Prozess unterstützt. Darüber hinaus müssen sich die Hauptakteure jedes Teams oder jeder Funktion auf die neue Vorgehensweise einlassen, einheitliche CSR-Bewertungen/Indikatoren und Scorecards sowie eine zentrale Plattform nutzen. Sie müssen gemeinsam diesen neuen Ansatz des Risikomanagements und der Überwachung von Lieferanten verfolgen.

 

Bei dieser Initiative geht es sowohl um das Veränderungsmanagement als auch um die Auswahl und Implementierung einer passenden Lösung. Der gewählte Lösungsanbieter sollte die nötigen Ressourcen bieten, um Ihnen bei der Prüfung und Weiterentwicklung Ihrer Prozesse zu helfen, Sie bei der Integration Ihrer Systeme und Datenströme in die Lösung zu unterstützen und letztlich Ihre Mitarbeiter von der Veränderung zu überzeugen, um so deren Erfolg voranzutreiben.

 

Zusammenfassung

Es gibt eine Vielzahl von Ansätzen rund um Nachhaltigkeit und Risikomanagement. Bei der Auswahl einer passenden Lösung sollten Ihnen diese Kriterien dabei helfen, die wichtigsten Aspekte abzudecken.

Mit einer breiten und umfassenden Kontrolle der Branche und Lieferanten liefert Ihnen die richtige Plattform eine Reihe an brauchbaren Messwerten und Einblicken. Neben einer Online-Plattform sollte es möglich sein, über verschiedene Beschaffungssoftwares mittels API auf diese Messwerte und Einblicke zuzugreifen.

 

Wenn Sie Fragen oder Anmerkungen zu den Tools zur CSR-Kontrolle von Lieferanten haben, können Sie uns an dieser Stelle zum Zwecke einer Beratung kontaktieren.

 

Dieser Blog basiert auf dem White Paper: „Five Essential Criteria For Selecting A Supplier Sustainability & Risk Monitoring Solution“ von Michael Lamoureux von Sourcing Innovation, der an dieser Stelle in der Bibliothek von EcoVadis nachzulesen ist und in der POOL4TOOL Inside Magazin.

 

 

Weiterlesen:

5 Schritte zum Aufbau einer Nachhaltigkeitsstrategie in der Beschaffung

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