Am 30. Juli 2025 hat die EU-Kommission ihren Entschluss veröffentlicht, den freiwilligen Nachhaltigkeitsberichterstattungsstandard für KMU (VSME-ESRS) offiziell in das Anerkennungsverfahren zu geben. Bislang war im Rahmen der Vorschläge zur Entlastung kleinerer Unternehmen (Omnibus-Initiative 1) lediglich von einem europäischen Standard „auf Basis des“ VSME der EFRAG die Rede. Nun hat die Kommission selbst keine wesentlichen inhaltlichen Änderungen am bereits im Dezember 2024 veröffentlichten VSME-ESRS vorgenommen – abgesehen von einigen geänderten Begrifflichkeiten – und den Standard in die Abstimmung mit Rat und Parlament eingebracht.
Besonders bemerkenswert ist der Erwägungsgrund 16: Darin empfiehlt die Kommission ausdrücklich, dass nicht börsennotierte KMU und Kleinstkapitalgesellschaften, die freiwillig berichten möchten, den von der EFRAG erarbeiteten VSME-Standard nutzen. Damit erhält der VSME eine klare politische Rückendeckung und wird de facto zum europäischen Referenzrahmen für freiwillige Nachhaltigkeitsberichterstattung kleinerer Unternehmen.
Für KMU bedeutet dies eine erhebliche Erleichterung im Reporting-Alltag. Der VSME-ESRS reduziert Komplexität, da er eine strukturierte und zugleich ressourcenschonende Alternative zu den umfangreichen ESRS bietet. Statt zahlreiche individuelle Anforderungen von Kunden, Banken oder Investoren zu erfüllen, können Unternehmen künftig auf ein einheitliches Rahmenwerk verweisen. Das spart Aufwand und erhöht die Vergleichbarkeit der Daten.
Gleichzeitig eröffnet der Standard handfeste Wettbewerbsvorteile:
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Zugang zu Finanzierung: Banken und Investoren achten zunehmend auf belastbare ESG-Daten. Ein VSME-Bericht kann die Kreditwürdigkeit und Attraktivität für nachhaltige Finanzierungen erhöhen.
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Stärkung in Ausschreibungen: Immer mehr öffentliche und private Auftraggeber fordern Nachhaltigkeitsnachweise von Lieferanten. Der VSME bietet eine standardisierte Grundlage, um diese Anforderungen effizient zu erfüllen.
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Kundenbindung und Marktzugang: Unternehmen, die transparent berichten, können ihre Nachhaltigkeitsleistungen sichtbar machen und sich als bevorzugter Partner in Lieferketten positionieren.
Darüber hinaus wirkt der VSME-ESRS auch in die Wertschöpfungsketten hinein: Da Lieferketten in Europa stark von KMU geprägt sind, verbessert der Standard die Datenlage für Großunternehmen, die zunehmend Scope-3-Emissionen und ESG-Risiken im Blick haben. Mit mehr kleinen und mittleren Unternehmen, die nach VSME berichten, entsteht ein vollständigeres und belastbareres Bild.
Damit ist klar: Der VSME-ESRS ist nicht nur eine freiwillige Empfehlung, sondern ein strategisches Instrument. Er senkt Hürden für KMU, stärkt ihre Wettbewerbsfähigkeit und schafft Transparenz in den Lieferketten. Wer den Standard frühzeitig adaptiert, verschafft sich einen Vorsprung – sowohl regulatorisch als auch im Wettbewerb um Finanzierung, Aufträge und Kundenvertrauen.
Lesen Sie unseren Leitfaden zur doppelten Wesentlichkeitsanalyse.
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