Banking & CSR: Transformation von innen

March 26, 2020 EcoVadis ‏‏‎

"Im Nachhinein betrachtet bestand die Hauptschwierigkeit in den letzten 10 Jahren darin, in 72 Ländern eine CSR-Strategie in Einheiten mit teilweise unterschiedlichen Prioritäten und Zielen umzusetzen. Hier hat sich die Ausrichtung auf die Ziele für nachhaltige Entwicklung aufgrund ihrer Universalität als sehr wirkungsvoll erwiesen."

Porträt von Laurence Pessez, CSR-Direktorin der BNP Paribas-Gruppe

 

Mit der kürzlichen Unterzeichnung der Principles for Responsible Banking der Vereinten Nationen (UNEP FI) oder der Veröffentlichung einer Stellungnahme und dem damit verbundenen Commitment, den Schutz und die nachhaltige Nutzung des Ozeans zu fördern, war 2019 zweifellos ein produktives Jahr für das gesamte CSR-Team der BNP Paribas-Gruppe und insbesondere für die CSR-Direktorin Laurence Pessez, die seit 10 Jahren in dieser Position tätig ist. 

1/ Wie wird man ein CSR-Leader und Vorreiter in einem CAC 40-Unternehmen und was ist Ihre tägliche Aufgabe?

Von Beginn meiner Karriere an habe ich mich auf Bereiche konzentriert, die sich positiv auf die Gesellschaft auswirken, sei es innerhalb der Pariser Krankenhäuser, der La-Poste-Gruppe oder des Versicherungssektors. Mit dieser Entschlossenheit habe ich dazu beigetragen, die CSR-Abteilung bei BNP Paribas aufzubauen und in 2010 die Verantwortung dafür zu übernehmen.

Ich bin überzeugt, dass CSR ein strategisches Thema und eine Quelle von Opportunitäten ist, und ich arbeite täglich daran, sicherzustellen, dass sie auf allen Ebenen der Bank entsprechend umgesetzt wird. 

Dank der Bemühungen meiner Teams ist CSR zu einer Priorität für BNP Paribas geworden, wie der Aufbau der Abteilung Corporate Commitment im Jahr 2017 oder auf einer anderen Ebene, das jüngste Engagement der Bank zur Reduzierung ihrer Exposition in der Kohleverstromung auf Null bis 2030 in den Ländern der Europäischen Union und bis 2040 für den Rest der Welt, zeigen.

Diese Initiativen tragen direkt zu den großen aktuellen Herausforderungen bei, die in den Zielen der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung (SDGs) festgelegt sind: Beseitigung der Armut, Schutz des Planeten und Sicherung des Wohlstands für alle bis 2030. Dank unserer Position in der Wirtschaft haben wir die Möglichkeit, auf alle 17 SDGs einzuwirken. Diese immensen Probleme, die vor allem künftige Generationen betreffen, sind eine große Herausforderung!   

2/ Wie ist CSR als Bereich gesteuert und als Team aufgestellt?

Die Steuerung des CSR-Engagements der Bank erfolgt durch eine spezielle Funktion, die der Abteilung Corporate Commitment zugeordnet ist und im Exekutivausschuss der Gruppe vertreten ist.

Die CSR-Abteilung besteht aus einem Team von fast 30 Personen, die in verschiedenen Fachbereichen tätig sind: Management von nicht-finanziellen Risiken, Finanzierung mit positiven Auswirkungen, Beziehungen zu CSR-Stakeholdern & Förderung der Menschenrechte, Umwelt & Energietransformation, Mikrofinanzierung & soziales Unternehmertum und schließlich Kommunikation und Verwaltung des Fonds Urgence & Développement. 

Gleichzeitig stützt sich unser Team auf ein 2012 geschaffenes Netzwerk von rund 130 CSR-Experten, die in den Divisionen, Geschäftsbereichen, Netzwerken, Funktionen und Tochtergesellschaften arbeiten, um die Umsetzung der CSR-Politik im gesamten Konzern zu ermöglichen. Dies ist natürlich auch nicht ohne alle insgesamt 202.000 Mitarbeiter der Bank möglich, die wir dazu ermutigen, diese Themen jeden Tag voranzubringen, um die Herausforderungen zu meistern!

Die Menschen, die mit mir diese Organisation und ihre Dynamik geschaffen haben, haben die Entwicklung des Bewusstseins innerhalb des Unternehmens für unsere erweiterte Verantwortung in Bezug auf Umwelt- und Gesellschaftsfragen erlebt. Alle sind anerkannte Experten in ihren Fachgebieten und das gesamte Team ist heute eine Referenz im Unternehmen.   

3 / Was waren in den letzten zehn Jahren die Meilensteine bzw. die Treiber für die wachsende Bedeutung von CSR im Unternehmen?

Das gesamte Team hat miterlebt, wie sich das Thema von einem "nice to have" zu einer dringenden Notwendigkeit, die Erwartungen der Gesellschaft an die großen Wirtschaftsakteure und insbesondere die Banken zu berücksichtigen, entwickelt hat.

Vor 2015 und der COP 21 stellte CSR ein freiwilliges Aktionsfeld dar, in dem sich die Gruppe BNP Paribas, die ihre Ziele und Ambitionen frei definieren konnte, bereits für die Berücksichtigung von Umwelt- und Sozialfragen, aber auch für die interne Sensibilisierung einsetzte: erste Finanzierungs- und Investitionspolitiken zu den Themen Verteidigung und Palmöl (2010), Integration von nicht-finanziellen Kriterien in die variable Vergütung von 5.000 Managern von BNP Paribas (2013), usw. 

Zum ersten Mal bekräftigte BNP Paribas im Strategieplan 2014-2016 den Anspruch und Entschluss, sich als verantwortungsbewusste Bank zu entwickeln. Das Jahr 2015 markierte somit einen Wendepunkt: Unterstützung und Engagement der Konzernleitung in Umwelt- und Sozialfragen, zahlreiche Diskussionen auf der Ebene des Vorstands der Gruppe und der Austausch zwischen unserem Chief Executive Officer und unseren Kunden. Es war auch das Jahr, in dem die 17 Ziele der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung (SDGs) geschaffen wurden. BNP Paribas war eines der ersten Unternehmen in Frankreich, das die SDGs bei der Definition der CSR-Strategie ausdrücklich erwähnt hat. 

2015 markiert auch unseren Eintritt in den "Global 100" der Corporate Knights, einen der international anerkanntesten Nachhaltigkeitsindizes.

Seit 2017 und der Schaffung der Abteilung Corporate Commitment beschleunigen sich die Aktionen und Verpflichtungen in allen Bereichen... auch wenn es in Bezug auf einige unserer Stakeholder nie schnell genug gehen kann.

Zu den wichtigsten Fortschritten der Bank zählen die Erreichung der Klimaneutralität für unseren operativen Bereich im Jahr 2017 und die Veröffentlichung der Charta für verantwortungsvolle Geschäftsbeziehungen im Jahr 2018, mit der BNP Paribas ihren Willen zur Zusammenarbeit mit den Unternehmen mit der höchsten CSR-Leistung demonstriert. Im selben Jahr trug unsere Gruppe auch zur Erarbeitung der Principles for Responsible Banking bei, die 2019 zusammen mit 130 anderen Banken offiziell unterzeichnet wurden, mit dem Ziel, die Geschäftsstrategien mit den SDGs der UN und dem Pariser Abkommen in Einklang zu bringen. 

Kürzlich hat die Bank die Zeitpläne für den Ausstieg aus dem Kohlesektor sowie ihren Beitritt zum Collective Commitment to Climate Action bekannt gegeben und zugesagt, bis 2025 den ökologischen Umbau von Handelsschiffen in Höhe von 1 Milliarde Euro zu finanzieren. Außerdem feierte sie 30 Jahre der Finanzierung von Mikrofinanzinstitutionen in 19 Ländern mit einem Betrag von fast 300 Millionen Euro bis Ende 2019.

Im Juli wurde BNP Paribas von Euromoney, der führenden Publikation im internationalen Finanzwesen, zur "World's Best Bank for Corporate Responsibility" ernannt und von Capital Finance International (CFI.co) zur weltweit führenden Bank in Bezug auf die Verantwortung für ESG (Umwelt, Soziales und Governance) ernannt.

Im Nachhinein betrachtet bestand die Hauptschwierigkeit in den letzten 10 Jahren darin, in 72 Ländern eine CSR-Strategie in Einheiten mit teilweise unterschiedlichen Prioritäten und Zielen umzusetzen. Hier hat sich die Ausrichtung auf die Ziele für nachhaltige Entwicklung aufgrund ihrer Universalität als sehr wirkungsvoll erwiesen."

Durch die Finanzierung aller Tätigkeitsbereiche ist die Bank einer der wenigen Wirtschaftsakteure, der das Privileg hat, zu allen 17 Zielen beizutragen. Darüber hinaus hat die Gruppe beschlossen, sie in ihre CSR-Leistungsindikatoren aufzunehmen. Dies ist ein innovativer Mechanismus, der das starke Engagement der Bank für die SDGs widerspiegelt und der von der UN als Best Practice anerkannt wurde. Ende 2018 hatte BNP Paribas 168 Milliarden Euro an Finanzierungen für Sektoren bereitgestellt, die als direkte Beiträge zu den SDGs betrachtet werden, und es ist das Ziel, diesen Betrag um 10 Milliarden Euro pro Jahr zu erhöhen. 

4/ Welche großen Veränderungen haben Sie im letzten Jahrzehnt im Hinblick auf Ihre Arbeit festgestellt?

Ich würde sagen, dass es die Diversifizierung der Stakeholder ist, die uns täglich herausfordert. Diese Entwicklung und ihre aktuelle Beschleunigung ist nicht nur im Bankensektor zu beobachten.

Lange Zeit wurden nur NGOs und Gewerkschaften, große Unternehmen und CSR-Abteilungen von ihren langfristigen Investoren, wie Pensionsfonds und Versicherungsgesellschaften, insbesondere im Hinblick auf soziale und klimatische Risiken angefragt. Dann kamen die Anfragen von Kunden aus allen Segmenten, von Unternehmen zu Unternehmen, aber auch von der breiten Öffentlichkeit: Firmen-, Privat- und Retail-Banking. Heute sind auch die Mitarbeiter gefragt und können sich sogar proaktiv einbringen. Innerhalb unserer Gruppe wurde z.B. die Entscheidung, die Finanzierungs- und Investitionstätigkeiten in Bezug auf Tabakunternehmen im Jahr 2017 einzustellen, von den Mitarbeitern initiiert und vorangetrieben. Als aktuelles Beispiel möchte ich noch die Studenten und die jüngere Generation erwähnen, die Aktionen vervielfachen, wie z.B. die Debatte über gesellschaftliche und ökologische Fragen (mehr als 30.000 Unterzeichner des Studentenmanifests für einen ökologischen Aufbruch). Schließlich ist CSR heute ein wichtiges und strategisches Thema und wird immer stärker reguliert, z.B. durch das Gesetz zur Menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht für Unternehmen („Devoir de vigilance“) in Frankreich, den Modern Slavery Act (UK) oder die Arbeit der Europäischen Kommission zur Taxonomie, die darauf abzielt, Aktivitäten zu definieren, die zur Energiewende beitragen. 

Diese neue Sachlage scheint als eine gute Nachricht für CSR-Abteilungen. Diese können nämlich jetzt mit einer großen Reihe von Ansprechpartnern arbeiten, welche einen bedeutenden Beitrag leisten, da sie neben der zunehmenden Repräsentativität immer mehr sachverständig  in dem CSR-Bereich und demnach glaubwürdig sind und sowohl nahe von unseren Tätigkeitsfeldern stehen.  

Ein Wort zu EcoVadis zum Schluss?

Wir haben 2010 zum ersten Mal angefragt von EcoVadis bewertet zu werden. Die EcoVadis-Bewertung ermöglicht es uns, unsere Leistung als verantwortungsbewusster Lieferant in Bereichen wie Umwelt, Beschaffung, Arbeitsbedingungen und Menschenrechte sowie Geschäftsethik zu messen. Unserer Meinung nach ist diese Auswertung umso relevanter, als sie sich mit den wesentlichen Fragen für unsere Kunden und Interessenten befasst, da EcoVadis den Fragebogen entsprechend anpasst. 

Einige unserer Tochtergesellschaften oder spezifischen Geschäftsbereiche haben ihr eigenes EcoVadis-Bewertungsreferenzsystem, wie z.B. Arval, unsere Tochtergesellschaft für langfristige Fahrzeugvermietung, oder BNP Paribas Real Estate, unsere Immobilientochter. Im Jahr 2019 erhielt Arval eine Punktzahl von 70/100, was dem Unternehmen eine "Gold"-Anerkennungsstufe einbrachte. 

Für BNP Paribas ist die EcoVadis-Plattform eine wertvolle Schnittstelle zu ihren Kunden und Interessenten. Sie haben Zugang zu den Ergebnissen der Gruppe und ihrer Einheiten, zu ihren Ergebnissen und auch zu einem detaillierten Bericht über ihre Leistungen in den verschiedenen Themenbereichen. Bis heute haben etwa sechzig Kunden und Interessenten das EcoVadis-Profil der Gruppe abonniert.

Die Schnittstelle ermöglicht es, eine bestimmte Menge an Informationen zu zentralisieren, die für Kunden im Zusammenhang mit Ausschreibungen nützlich sind. Dadurch können unsere CSR- und Vertriebsteams in allen Geschäftsbereichen erheblich Zeit sparen. Schließlich ist es ein wichtiger Geschäftsvektor, da BNP Paribas durch die kontinuierliche Beteiligung an der jährlichen Bewertung in der Lage ist, als verantwortungsbewusster Lieferant aufzutreten, der sich einem tief greifenden und strukturierten Ansatz für soziale und ökologische Verantwortung verschrieben hat. 

Das jüngste Investment, mit dem EcoVadis auf eine breitere und weltweite Entwicklung der Plattform abzielt, ist eine schöne Nachricht für uns, da unsere Ausschreibungen international sind und unsere potenziellen Großkunden aus Frankreich kommen. Außerdem ist es eine wichtig, dass Ecovadis ein europäischer und unabhängiger Anbieter, spezialisiert auf die CSR-Bewertung von Unternehmen, bleibt.

 

Dieses Portrait-Interview ist eine Übersetzung des fränzösischen Originaltextes von Veronique Seel.

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